Hat denn jemand von euch schon mal geboxt?“, fragt uns Dilar Kisikyol, Boxprofi und Sozialpädagogin. Wir, eine Gruppe von uns Lehrern und Lehrerinnen, die sich zu einem Schnupper-Boxtraining bei ihr angemeldet hatten, schauen uns um. Zwei Hände gehen zaghaft hoch. „Das werden wir schnell ändern“, kommentiert die resolute Frau, die heute unsere Lehrerin ist.
Als Erstes tänzeln wir ein wenig mit den Beinen hin und her und werfen hoch motiviert einige Fausthiebe in die Luft. Jeder findet dann schnell einen Partner, dem man tänzelnd mit der Hand an der Schulter berühren soll bzw. vor dessen Handschlägen man ausweicht. Das fördere die Reaktionsfähigkeit, so der Profi.
Dilar Kisikyol, selbst Weltmeisterin im Leichtgewicht, hält uns alle für höchst talentiert und traut uns nun den Einstieg in die Boxhandschuhe zu. Ein Dutzend Paare liegen bereit auf der Boxarena. Ziemlich klobig fühlen sich diese Dinger an und wie, bitte schön, soll man den Klettverschluss des zweiten Handschuhs zubekommen, wenn die andere Hand schon eingepackt ist? Aber das ist irgendwann auch geschafft, und wir lernen, dass es eine Führ- und eine Schlaghand gibt. Nun muss man sich gegenseitig abschlagen, aber gleichzeitig in Deckung gehen. Ganz schön schwierig! Immer wieder werden Partner gewechselt, und wir werden immer mutiger.
Bis jetzt war alles Spiel, doch nun wird es ernst, denn wir dürfen den Boxring betreten, um weiter für einen Kampf zu trainieren, den man beim Boxen ja irgendwann hat. Während Dilar weitere Übungen erklärt, drischt ein wendiger Kollege mit seinen Boxhandschuhen auf ihre bloßen Hände ein, doch diese prallen an ihr ab, als ob nichts wäre. Wir kommen alle ordentlich ins Schwitzen.
Zum Schluss dürfen wir noch auf die Boxsäcke einhauen, die überall von der Decke hängen. Das macht Spaß, und man wünscht sich einen solchen Sack für zu Hause.
Wir sind erstaunt, dass eine Stunde so schnell vorbeigehen kann und sind alle restlos begeistert.
„Dilar“ – das „Feuerherz“ auf Kurdisch heißt (so liest man auf ihrer Homepage), hatte wirklich Feuer unterm Hintern bei dieser Trainingseinheit und zeigte uns auf eine äußert sympathische Art, dass ihr Herz nicht nur für das Boxen schlägt, sondern auch für das Miteinander beim Vermitteln der Schlagtechniken. Wir sagen „Danke“ für diese Lektion.
An unserer Schule gibt Frau Kisikyol seit Beginn des Jahres Boxunterricht für Kinder, um Aggressionen abzubauen und das Selbstbewusstsein zu stärken.
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